La Palma 100%Dieser Name steht für das Projekt, die Energieversorgung der Insel zu 100% aus erneuerbaren Energiequellen umzustellen. Im Januar 2007 hat das Cabildo Insular (die Inselregierung La Palmas) den Beschluss gefasst, bis zum Jahre 2013 die 100%ige Versorgung der Insel durch regenerative Energie anzustreben. Das Cabildo hat erkannt, dass La Palma in besonderem Maße vom Erdöl abhängig ist und jeder Liter davon importiert werden muss. Es existiert kein Verbundnetz mit der Iberischen Halbinsel oder anderen Inseln, wie dies auf dem Festland üblich ist. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Insel ist sehr begrenzt und kann die Preissteigerungen beim Erdöl nicht auffangen. In Krisensituationen ist außerdem die Energieversorgung gefährdet, die notwendig ist, um das gesamte wirtschaftliche Leben auf der Insel zu gewährleisten: Ohne Strom kein Wasser, ohne Wasser keine Landwirtschaft, ohne Strom kein Tourismus. Die jetzige Stromerzeugung im Dieselkraftwerk Los Guinchos nahe Santa Cruz verursacht den weitaus größten Teil der Luftverschmutzung auf der Ostseite der Insel. Wer die Rußfahnen der Schornsteine von Los Guinchos gesehen hat, weiß wovon ich spreche! Hier ist ein integratives Gesamtkonzept gefragt, dass die verschiedenen Energieerzeugungsarten Solarthermie, Photovoltaik, Windkraft, Wasserkraft, Geothermie, Wellenkraft und Biomasse je nach ihren charakteristischen Eigenschaften miteinander verknüpft und Speichermöglichkeiten zur Verfügung stellt, um die dauerhafte und ausreichende Stromversorgung der Insel zu allen Jahres- und Tageszeiten zu gewährleisten. Im Juni 2008 wurde der Spatenstich des ersten Energieerzeugungsprojektes vorgenommen: Der Solarpark La Punta, Tijarafe mit 1,8 MW installierter Leistung ist im Bau - die Umsetzung hat begonnen! Das von der grupo Solantis in 2006 erstellte Konzept setzt auf Ganzheitlichkeit - nicht nur bei der Energieversorgung - und schließt begleitende Maßnahmen in anderen Wirtschaftsbereichen mit ein. Im Bereich Verkehr werden alternative Konzepte vorgeschlagen. Hier ist vor allem die Umstellung der Fahrzeuge auf Elektroantrieb hervorzuheben. Inzwischen sind die ersten Elektroroller auf der Insel eingetroffen, im Herbst sollen die Vorführmodelle für Elektroautos (Pick-up und Limousine) zur Verfügung stehen. Der Vorteil für die Insel liegt auf der Hand: Das Qualitätsmerkmal "Saubere Luft" kommt durch die nahezu 100%ige Verringerung der Verkehrsemissionen noch deutlicher zum Ausdruck und die Lärmbelastung wird drastisch verringert: Ein eindeutiges Plus für die einheimische Bevölkerung und für den Tourismus. Auf der Basis erneuerbarer Energiequellen lassen sich weiterhin nachhaltige qualitativ hochwertige Tourismus-Konzepte leichter umsetzen und effektiver vermarkten. Im Bereich Architektur & Bau können neue Wege beschritten werden, bei denen die dezentrale Wärmeerzeugung (z.B. für Heißwasser), Baukörpergestaltung und Fragen der Raumklimatisierung von vorn herein berücksichtigt werden. Hier entsteht ein großes Potential zur Energieeinsparung. Durch innovative Bildungskonzepte entsteht ein neues Bewusstsein für die Bedeutung der Energiequellen auf unserem Planeten und dem verantwortlichen Umgang mit ihnen. Das Projekt "La Palma 100%" soll zeigen, dass die Umstellung auf erneuerbare Energien in kurzen Zeiträumen technisch machbar und auch wirtschaftlich höchst attraktiv ist. Somit kann das Projekt zum Vorzeigeobjekt für ganz Europa avancieren und seine Wirkungen auf Regionen in ähnlichen Situation ausstrahlen. In meinen Augen ist die Umsetzung dieses Projektes ein wesentlicher Schritt, La Palma wieder zu einem leuchtenden Juwel im Atlantik werden zu lassen.
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